Seu Jorge

The Other Side

Seu Jorge ist bereit, der Welt das ehrgeizigste Projekt seiner internationalen Karriere zu präsentieren. Nach einer Entstehungszeit von 16 Jahren erscheint „The Other Side“ im Mai endlich auf den Streaming-Plattformen. Das neue Album unterscheidet sich deutlich von dem Soul und Samba, die seine bisherige Solokarriere prägten; es ist eine raffinierte, orchestrale Hommage an die brasilianische Musik, die sich zwischen Jazz und Bossa Nova bewegt.
Den Anstoß für diese Verbindung von brasilianischem Soul und orchestraler Raffinesse gab ein langjähriger Freund und Bewunderer: der legendäre Produzent Mario Caldato Jr., bekannt für seine Arbeit mit den Beastie Boys und Jack Johnson. Die Zusammenarbeit reicht jedoch noch weiter zurück. „Man findet nicht oft eine so lebendige und kraftvolle Stimme und ein solches Talent wie das von Seu Jorge. Genau das spürte ich 1999, als ich ihn in Los Angeles kennenlernte“, erinnert sich Caldato Jr. „Seitdem sind unsere Freundschaft und gegenseitige Bewunderung stetig gewachsen, was es uns ermöglicht hat, völlig frei gemeinsam Musik zu erschaffen.“
Der Funke für „The Other Side“ sprang in einem Moment tief empfundener Sensibilität über. „Die Idee zu diesem Album entstand, als ich aufnahm, wie Jorge eine schlichte Version des Songs ‚Girl You Move Me‘ von der Band Cane and Able auf einer Nylonsaiten-Gitarre spielte. Die Darbietung war voller Gefühl und Dynamik – das hat mich tief berührt“, erzählt der Produzent.
Damals kam Caldato Jr. auf die Idee, den Multiinstrumentalisten und Arrangeur Miguel Atwood-Ferguson einzuladen, um jenes Demo zu orchestrieren. Die 2009 begonnene Zusammenarbeit entwickelte sich auf ganz natürliche Weise. „Ich tauschte mich mit Miguel über einige Ideen aus; er verstand sofort, worum es ging, und schuf ein wunderschönes Arrangement, das den Song in eine weitaus opulenter und raffinierter gestaltete Dimension hob. Diese Erfahrung legte den Grundstein für das orchestrale Abenteuer.“
Mit seiner charakteristischen, tiefen und samtigen Stimme führt Seu Jorge den Hörer durch ein Repertoire, das wahre Schätze der MPB (Música Popular Brasileira) wiederaufleben lässt. Als Inspirationsquellen nennt der Künstler den Katalog des deutschen Labels ECM Records sowie die Arrangements von Claus Ogerman – einem Dirigenten, der unter anderem mit Tom Jobim und João Gilberto zusammengearbeitet hat.
Das Album, das in mehreren Etappen zwischen 2009 und 2018 aufgenommen wurde, zeugt von wahrer musikalischer Handwerkskunst und entstand in einer Atmosphäre der Ruhe und freundschaftlichen Verbundenheit. Das rhythmische Live-Fundament lieferte Seu Jorges Band. „Jorge hat großes Vertrauen in seine Musiker und ist stolz auf sie; er lässt ihnen viel Freiraum, sich musikalisch zu entfalten. Jeder von ihnen verleiht den Songs eine ganz eigene Note – es war schließlich auch ihr Album“, so Caldato Jr.

„Es war eine Woche voller Freude für mich und uns alle, in der wir diesen magischen Geist und diese besondere Stimmung eingefangen haben“, fügt der Produzent hinzu, der miterlebte, wie das Werk durch die Arrangements von Miguel Atwood-Ferguson Gestalt annahm. „Beim Abmischen fühlte sich alles sehr natürlich an. Das Album entfaltete sich und fügte sich auf großartige Weise zusammen. Für mich ist es ein zeitloses Album.“
Das Album enthält Coverversionen von Songs wie „Crença“ von Milton Nascimento (aus dessen Debütalbum von 1969), „Caboclo“ von Arthur Verocai – in einer Version mit psychedelischen Gitarrenklängen – und natürlich „Girl You Move Me“ der kanadischen Band Cane & Able, die das Projekt inspiriert hat. Zu den Stücken mit Gastkünstlern gehört „Vento de Maio“ von Márcio Borges (ein Hit von Lô Borges und Elis Regina), das als intensives Duett mit Maria Rita interpretiert wird. Eine weitere bedeutende Zusammenarbeit entstand mit dem amerikanischen Sänger Beck, einem bekennenden Fan brasilianischer Musik und Grammy-Preisträger; gemeinsam interpretieren sie „River Man“ des verehrten britischen Sängers Nick Drake. „Quando Chego“ ist ein bisher unveröffentlichter Song aus der Feder von Seu Jorge, Arnaldo Antunes und Marisa Monte, wobei Letztere auch als Gastkünstlerin auf der Albumversion zu hören ist.